IT-Servicemanagement und Cloud Computing

Cloud Computing

Cloud Computing ist zurzeit in der IT ein allgegenwärtiger Begriff, wobei es keine standardisierte oder einheitliche Definition gibt. „Cloud Computing erlaubt die Bereitstellung und Nutzung von IT-Infrastruktur, von Plattformen und von Anwendungen aller Art als im Web elektronisch verfügbare Dienste.“[1]

Cloud Anwendungen sind dynamisch skalierbar. Anwendungen, die zusätzliche Ressourcen benötigen, können auf diese sofort zugreifen. Dies geschieht ohne großen Aufwand und ohne eigene Hardwarestrukturen die geändert werden müssen. Der Anbieter der Cloud Anwendungen übernimmt hierbei die Bereitstellung der benötigten Ressourcen.[2] Die Cloud Architektur unterteilt sich in zwei Sichten. Die organisatorische und die technische Sicht. Bei der organisatorischen Sicht wird zwischen Public-, Private- und Hybrid Cloud unterschieden. Die technische Sicht der Cloud Architektur zeigt, dass Cloud Computing es ermöglicht verschiedenste IT-Infrastrukturen, Plattformen und Anwendungen zu realisieren. Beide Sichten werden im Verlauf noch näher erläutert.

Organisatorische Sicht der Cloud Architektur

Bei der organisatorischen Sicht wird zwischen Public-, Private- und Hybrid Cloud unterschieden. Als Public Cloud bezeichnet man Anwendungen, bei denen die Anbieter und Benutzer nicht derselben organisatorischen Einheit angehören. Die Anwendung ist somit öffentlich zugänglich, meist unter der Verwendung von Web-Portalen, in denen die Benutzer in Selbstbedienung den gewünschten Leistungsumfangspezifizieren können. Im Gegensatz hierzu stellt die Private Cloud eine Anwendung dar, bei der die Anbieter und Benutzerseite der selben organisatorischen Einheit angehören. In der Private Cloud hat der Benutzer bzw. die Organisation die Kontrolle über die Daten. Die Hybrid Cloud stellt eine Kombination aus der Public- und Private Cloud dar. Bei Szenarien, in denen Dienste aus der Public- und Private Cloud genutzt werden, spricht man von der Hybrid Cloud. Bestimmte Funktionalitäten werden hierbei in die Public Cloud ausgelagert. Folgende Abbildung stellt den Vergleich in Bezug auf die Kontrolle Skalierbarkeit der verschiedenen Arten der Softwarebereitstellung dar.

Vergleich von On-premises, Hosting und Cloud Computing

Vergleich von On-premises, Hosting und Cloud Computing

Technische Sicht der Cloud Architektur

Die technische Sicht der Cloud Architektur zeigt, dass Cloud Computing es ermöglichtverschiedenste IT-Infrastrukturen, Plattformen und Anwendungen zu realisieren. Die Architektur beruht auf dem Muster der Schichtung. Die einzelnen Schichten sind nach ihrem Abstraktionsgrad angeordnet. Die höheren abstrakten Schichten können tiefer gelegene Schichten zu ihrer eigenen Realisierung nutzen. Es kann somit nicht nur die nächstgelegene Schicht genutzt werden, sondern auch alle tieferen Schichten. Cloud Anwendungen die durch ihre Funktionalität mehreren Schichten zugeordnet werden können, ordnet man möglichst der obersten Schicht zu. Diese Schicht ist meist der Arbeitsbereich, mit dem der potenzielle Benutzer arbeitet. In der folgenden Abbildung ist die Architektur von Cloud Computing dargestellt.

Cloud Computing Architektur

Cloud Computing Architektur

Die Infrastructure as a Service Schicht bietet dem Benutzer eine abstrahierte Sicht auf Hardwareressourcen wie Rechner, Massenspeicher, Netzwerke etc. Dem Benutzer wird eine Schnittstelle zur Verwaltung einer Menge an Ressourcen bereitgestellt, Teile hiervon sind für den Benutzer reserviert.

Cloud Anwendungen in der Platform as a Service Schicht richten sich an Software- Entwickler. Es wird eine Umgebung angeboten, in der Entwickler in einer bestimmten Programmiersprache eigene Software entwickeln und ausführen können. Die Ausführung der Software erfolgt in einer Laufzeitumgebung bei dem jeweiligen Anbieter, der die Ressourcen zur Verfügung stellt.

Software Anwendungen, die direkt an den Endkunden adressiert sind, gehören zur Software as a Service Schicht. Die lokale Softwareinstallation und die Bereitstellung der erforderlichen Ressourcen entfällt hierbei auf der Kundenseite. Auf Basis der PaaS- und IaaS-Schicht können Anwendungen entwickelt und betrieben werden, die anschließend dem Endkunden über die SaaS-Schicht bereitgestellt werden. Es wird zwischen zwei Anwendungsarten unterschieden. Anwendungsdienste (Application Services) stellen dem Benutzer einzelne Funktionen zur Verfügung. Vollwertig komplexe Anwendungen werden dem Benutzer als Anwendungen (Applications) zur Verfügung gestellt.

Auch die Ressource Mensch wird in der Cloud Computing Architektur behandelt. Die Cloud Architektur ist so um die Ressource Mensch erweiterbar und ist nicht nur auf IT Services beschränkt. Interessant ist die Ressource Mensch, weil sie durch bestimmte Fähigkeiten den Rechnersystemen überlegen ist. Aufgaben wie Übersetzungen und kreative Dienste lassen sich durch Menschen besser erledigen.[3]

Cloud Computing im Bezug zu IT-Servicemanagement

Cloud Computing wird im Bereich ITSM ein immer wichtigeres Thema. Nach einer IDC-Studie wollen 25% der Befragten ITSM in Zukunft aus der Cloud beziehen. In der folgenden Abbildung sind die geplanten ITSM-Maßnahmen dargestellt.

Geplante ITSM-Maßnahmen

Geplante ITSM-Maßnahmen

Quelle: http://www.cio.de/bild-zoom/2233331/2/683252/EL_12729881451204859312394/

Bei dieser Umfrage ist allerdings zu beachten, dass nur der Bereich Software as a Service bei Cloud Computing betrachtet wurde.

Einige Unternehmen verhalten sich diesem Themengebiet jedoch zurückhaltend, da die Datensicherheit bzw. der Datenschutz. Viele große Cloud Anbieter sind Unternehmen aus den USA, wie beispielsweise Amazon, Google, Salesforce oder Microsoft. Unternehmen aus Deutschland würden auf Servern aus den USA agieren. Damit gelten deutsche Bestimmungen und Regelungen nicht mehr.
Bei der Einführung und Implementierung von Cloud Diensten im IT-Service-Management werden geringere Kosten erwartet und weniger Administrationsaufwand. Ziele durch eine solche Implementierung sind für Unternehmen eine bessere Service-Qualität zu liefern, Kosten zu senken, Unterstützung der Geschäftsprozesse und dadurch die Wertschöpfung zu erhöhen. [4]

Weitere Vorteile für Cloud Computing im Bereich IT-Service-Management sind, dass Upgrades und Updates vom Cloud Anbieter durchgeführt werden, die Softwareimplementierung entfällt und die produktive Nutzung des Systems kann direkt beginnen. Die Flexibilität wird gesteigert, so dass von beliebigen Browsern oder anderen Endgeräten zugegriffen werden kann. Beispiele hierfür sind Smartphones oder Tablet-PCs. Die Geschwindigkeit wird durch Web 2.0 Anwendungen erhöht. Des Weiteren kann die Sicherheit erhöht werden, da Cloud Anbieter besonders an einem leistungsfähigen Sicherheitskonzept interessiert sind.

Durch die genannten Vorteile des Cloud Computings im ITSM, wird die Flexibilität gesteigert, die Kosten der IT können gesenkt werden, wobei zusätzlich die Effizienz erhöht und diese zusätzlich besser geplant werden können. [5]

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Literatur:

[1] Siehe Baun, Kunze, Nimis: Cloud Computing: Web-basierte dynamische IT-Services, Springer 2009, Seite 1
[2] Vgl. Baun, Kunze, Nimis: Cloud Computing: Web-basierte dynamische IT-Services, Springer 2009, Seite 2
[3] Vgl. Baun, Kunze, Nimis: Cloud Computing: Web-basierte dynamische IT-Services, Springer 2009, Seite 1-34
[4] Vgl. http://www.cio.de/strategien/2233331/index2.html
[5] Vgl. http://www.ncc-solutions.com/content/ist-cloud-computing-wirklich-der-trend-im-itsm

ITSM-Magazin KW 20.2011

2 comments


  1. Cloud Computing ist zurzeit in der IT ein allgegenwärtiger Begriff, wobei es keine standardisierte oder einheitliche Definition gibt. „Cloud Computing erlaubt die Bereitstellung und Nutzung von IT-Infrastruktur, von Plattformen und von Anwendungen aller Art als im Web elektronisch verfügbare Dienste.“

    Bei “Cloud Computing” handelt es sich um ein Marketing-Schlagwort, das vernebelt, dass es sich in Wirklichkeit um Service (Contribution) Sourcing handelt.
    s. Aufzeichnung zu Vortrag ‘From System Design to Service Composing – What’s the cloud all about?’ beim 1. CloudCamp Frankfurt
    http://www.youtube.com/watch?v=UBadZkmfWeA
    http://www.slideshare.net/CloudCampFRA/paul-huppertz-cloud-computing-from-system-design-to-service-composing

    Auch “Cloud Computing” ermöglicht keinesfalls & keineswegs, dass service-relevanten IT-Infrastruktursysteme, Plattformen oder Anwendungen zu Services bzw. Diensten mutieren. Das wäre so, als würde ein Taxi-Kfz als service-relevantes technisches System für die Erbringung von PKW-basierten Personentransport-Services zum Taxi-Service mutieren. An der eingangs zitierten Formulierung, welche tiefgreifenden & verlustträchtigen Fehlinterpretationen & Missverständnis dieses Marketing-Schlagwort hervorruft.

    Eine “Cloud” ist eine Konstellation, Kombination & Konfiguration von ICT-Systemen, von denen bestimmte ICT-systembasierte Service-Beiträge erbracht werden (können). Früher hießen solche Umgebungen Intranet oder Extranet, Campus-LAN oder RZ. Diese begriffliche Kaschierung ist u.a. ausgelöst dadurch, dass
    - die komplizierten & komplexen service-relevanten ICT-System(verbünd)e nicht mehr nachvollziehbar erklärt werden können oder sollen
    - eine grundlegende Umwälzung in Gang (gekommen) ist, die noch nicht richtig verstanden wird, und die Nicholas G. Carr exzellent herausarbeitet in seinem Buch ‘The Big Switch: Rewiring the World, From Edison to Google’
    http://www.nicholasgcarr.com/bigswitch/

    Fazit:
    Der Hype-Begriff muss zurückgeführt werden auf seine wirklichen Hintergründe, d.h. aus das Service (Contribution) Sourcing auf Basis der zugehörigen Leitfrage: “Induce or Supply? – Selbst erbringen oder zubringen lassen?”
    s. “Induce or Supply? – Grundentscheidung zum Service Sourcing”
    https://www.xing.com/app/forum?op=redirect;id=6240598
    Basierend auf den entsprechenden Entscheidungen, insbesondere zur Festlegung der Service-Erbringungstiefe, müssen die jeweiligen in- oder externen Service Supplier (neudeutsch: “Cloud Provider”) stringent mit der Zugringung der erforderlichen Service-Beiträge beauftragt werden.

  2. Es lohnt sich auch, die aktuelle Fassung des Hype Cycles der Gartner Group zu diesem Thema auszuwerten.
    http://softwarestrategiesblog.com/2011/07/27/gartner-releases-their-hype-cycle-for-cloud-computing-2011/

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